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Statement
Sprache als Reflexionen von Selbstversuchen! Jeder, immer, überall.
Nicht mehr wahr genommen, weil alltäglich.
Informationen - eine Brücke zwischen Innen- und Außenwelt;
Zeichen - als Klammer zwischen Subjekt und Objekt.
Das Greif- und Begreifbare - es wird sichtbar.
Schnell, präsent, assoziativ, prägnant, signifikant. Klare Strukturen, eindeutige Formen.
In diese Basis wächst bereits der Säugling direkt hinein:
Inhalte von Erfahrungen, Teile vom Ganzen, immer neu definiert, neu geordnet.
Damit Form und Inhalt übereinstimmen.
Jeder Moment wird neu erkannt auf dem schwankenden Boden der Wahrnehmung.
Vermittelbar. Der Erwachsene weiss es. Automatisch.
Erst nach zwei Schlaganfällen habe ich dieses Basiswissen für Jeden hautnah erkennen können.
Achten wir unsere Leistung im Kopf.
Sie versorgt unser Leben.
Doch: In unserer Informationsgesellschaft wird diese Normalität gewuchtet, geschliffen, hochpoliert. Transparent. Vernetzt.
Gleichzeitig verschlissen, gebrochen, gesplittet - wie Buchstaben.
Austauschbar. Für jeden verfügbar. Angeboten.
Jeder schafft seine eigenen Zeichen, eigene Bedeutungen, eigene Interpretationsebenen,
entwickelt aus eigenen Erfahrungen.
Das Bild ist ein Zeichen für unser Leben.
Ergreifen wir diese Variabilität als Chance.
Denn: Erst die Konformität der Elemente erschafft die Vielfältigkeit der Zeichen in dieser neuen Welt -
und damit die Individuen, die wir sind, um sie zu erkennen, benutzen.
Mein Experimentierfeld: die Auflösung von starren Zeichenstrukturen hin zu einer Variabilität,
dessen Ergebnisse für jeden frei und offen bleibt.
Das Mittel: Variabilität durch Gleichheit, Veränderung durch Schichtung;
Standpunkte im Raum; Einheit durch Tansparenz; Subjektivität durch die Objektivität.
Ein Prozess, deren Faktoren an jede spezielle Situation individuell angepasst werden kann.
Keine starren Weltbilder; die Struktur von Holographie und Holismus
bestimmt das Bild unserer Zeit.
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Zum Werk
Im
Zentrum von Hankes Arbeiten steht eine zerrissene, in sich
zersplitterte Welt, geboren und zusammengehalten aus Widersprüchen und
Unvereinbarkeiten, lebendig und wirkungsvoll allein durch den Kopf des
Menschen. Das Ergebnis ist eine Bildwelt, die für den Menschen gemacht
ist und ohne ihn auskommt, in der sich zwar sein Bewusstsein spiegelt,
in der er aber trotzdem nicht erscheint. Dem Realismus der frühen Jahre
gedanklich treu bleibend kristallisiert er seine Gedanken jetzt in der
Zahl, für ihn ein Spiegel von Welt überhaupt: auf der einen Seite steht
sie für eine alles vereinnahmende Wissenschaftlichkeit und Ökonomie mit
ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Beherrschbarkeit; auf der
anderen Seite repräsentiert sie über interkulturell gültige
Symbolgehalte gleichzeitig die Ängste und Hoffnungen des Menschen.
Aus
diesem Konzept heraus leben Hankes Arbeiten. Scheinbar klare und
übersichtliche Konstruktionen sind sie wie bildlich gewordene Entwürfe
des Denkens, Reflexionen über unsere Welt. Und zu jeder Arbeit kann der
Kommentar des Künstlers kommen: „Ach, wissen Sie, es ist wie im
wirklichen Leben. Da kann es einem auch passieren, dass …“ Es folgt
eine kurze Analyse der verwendeten Bildmittel, die Gesetzmäßigkeit
hinter der Komposition leuchtet auf, eine Parallele wird angedeutet, in
welchen Zusammenhängen des Alltags mit ähnlichen Mitteln gearbeitet
wird, und der eine oder andere erinnert sich: „Das letzte Mal hatte ich
auch einen Zahlendreher in der Kontonummer und da passierte es doch,
dass …“ Der Einfluss der Zahlen auf unser ganz normales Leben wird
deutlich, jedoch eher in seinen Gesetzen, seinen gedanklichen
Verstrickungen, losgelöst von Einzelsituationen. Eine Folge seines
Interesses an Philosophie und Psychologie.
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Kann die Sonne eckig sein?
Kinderkanal,
Werbung, Fernsehnachrichten. An jeder Ecke Bilder: Seriosität
ausstrahlend, schrill Aufmerksamkeit heischend – Altbekanntes
informiert, überraschende Kombinationen zerren an der Aufmerksamkeit.
Das Comiczeitalter. Die Packung, die auch dem hastenden Kunden aus dem
Regal noch ihre Nachricht entgegen schreit. Handeln einfordert. Das
Logo verbindet sich genauso selbstverständlich mit Sinn wie das
Verkehrszeichen, während eines Augenaufschlages, im Vorbeifahren, aus
dem Augenwinkel. Lediglich beliebige Form-Farb-Spielereien? Gezielt
gesetzt, bis an die Grenze reduziert, manipuliert um zu manipulieren!
Die Sonne eckig, das ist ein Hit.
Ist
Ihnen bewusst, dass ein jeder als Genie gelten müsste, nur weil er
überhaupt eine Sonne erkennt – wo sie doch nur ein Kreis ist, in allen
möglichen Farben? Das ist doch nun wirklich zu selbstverständlich! Nur
weil Erkennen die Voraussetzung ist für unser Überleben? Das Bein des
Tausendfüßlers? Nicht so ganz! Schließlich ist unsere Wahr-Nehmung die
Wurzel für unser Weltbild, für unser Denken überhaupt, für unser
Handeln. Es sind schon Kriege ausgebrochen, nur weil Etwas falsch
wahr-genommen wurde, Bezüge vertauscht, der Standpunkt verschoben,
eigenen Interessen folgend. Und je reduzierter das Gesehene daherkommt,
desto leichter schält sich Unvorhergesehenes aus der Zielgerichtetheit,
in Rationalität macht sich Unsinn breit, Eindeutigkeit verliert sich in
Auffassungen, Stringenz geht gewundene Wege, Nuancen lassen Klarheit
verdampfen. Die Zeichen entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als
Schemen, verweisen wie Chimären auf Heterogenes.
Die
Erkenntnis, die Wittgenstein am 17.10.14 in sein Tagebuch notierte, ist
inzwischen Allgemeinplatz geworden: „Ja, man könnte die Welt
vollständig durch ganz allgemeine Sätze beschreiben, also ganz ohne
irgendeinen Namen oder sonst ein bezeichnendes Zeichen zu verwenden.
Und um auf die gewöhnliche Sprache zu kommen, brauche man Namen etc.
nur dadurch einzuführen, indem man nach einem „($x)“ sagte „und dieses
x ist A“ usw. Man kann also ein Bild der Welt entwerfen, ohne zu sagen,
was was darstellt. Denn Bild und Darstellungsweise sind ganz außerhalb
des Dargestellten!“ Prinzipiell kann Allem jede Bedeutung beigemessen
werden. Die Brücke zwischen der Welt der Dinge um uns und dem, wie wir
sie erkennen und nutzen, unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein, ist
offensichtlich keine statische Masse, die Gesehenem im Verhältnis eins
zu eins Be-Deutung beimisst. In einer virtuellen Welt wird alles
möglich. Eine eckige Sonne ist gleich-gültig.
Ich
bin bereits im Sehen selbst aktiv, grenze ab, isoliere, vergleiche,
ordne zu. Nicht nur visuell. Indem ich (wieder-)erkenne, habe ich das
Gesehene einem in mir bereits vorhandenem Gesamtzusammenhang
zugeordnet. Wenn ich sage: „Dieses ist ein Kreis“, so ist es nur ein
Kreis, wenn ich weiß, dass diese Form in verschiedenen Zusammenhängen
so genannt wird - sofern ich es gelernt habe. Es bleibt dabei frei,
welche Gedanken ich verbinde, welche Netze ich auslege, ob ich
Ungereimtheiten fange. Schließlich sind da die eigenen Erfahrungen, die
mich steuern, vielleicht völlig neben der Spur, sicher einmalig.
Schlechte Erinnerungen konterkarieren gut Gemeintes. Vielleicht stimmt
nur die Beleuchtung nicht. Oder ich bin schlicht schlecht drauf. Indem
ich bezeichne, bemühe ich mein Leben. Jedes Mal neu, ohne darüber
nachzudenken. Manipuliert manipulierend. Das Gesehene wird von Jedem
neuen Deutungen unterworfen, nicht nur Varianten. Der Spiegel einer
„richtigen“ Weltsicht ist zwangsläufig zerbrochen in das Kaleidoskop
individueller Ansichten unserer selbst, jede für sich gleich gültig.
Es
ist dieser Bereich, in dem rational kalkulierte Suggestion und
emotionale Um-Deutung, scheinhafte Objektivität und subjektives
Gaukelspiel sich gegenseitig Fallen stellen können, der mich
fasziniert. Dabei gehe ich von einer Bildwelt aus, in der ich den
Prozess der Reduktion und Manipulation einer vorgegebenen Zeichenwelt
möglichst bis ans Ende treibe, um im Sinne Wittgensteins jeden „Namen“
leichter durch ein „($x)“ ersetzen zu können. Es ist der Grenzbereich,
in dem Form und Farbe eine neue Qualität bekommen, Bedeutung, der
Bereich, der noch frei ist für neue Zuweisungen, weil er erst beginnt
unsere Wahr-Nehmung zu reizen, der Bereich, in dem scheinbar objektiv
vorgegebene Bedeutung und subjektive Deutung noch nicht in feste
Relationen gepresst sind, der Bereich, in dem auch ein Dreieck eine
Sonne sein kann – oder etwas anderes.
Im
Zentrum meiner Arbeit steht damit eine Welt im Kopf, in Häppchen
abgeglichen mit einer Welt um uns, eingefangen durch genial
unvollkommene Werkzeuge, gerade gut genug, um sich zurechtzufinden. Auf
schwankendem Boden muss scheinbar Widersinniges in einem riesigen
Mosaik zum Einklang gebracht werden. Ein zusammengeflicktes Bild von
einer Welt, eine Koexistenz, die jedes Mal neu zusammengesetzt wird,
und die nur denkbar ist in Gegensätzen. Glücklicherweise sind sie immer
Kehrseiten einer Medaille. Ich kann nicht das eine sehen ohne das
andere zu denken: die Masse nicht ohne das Individuum, Rationalität
ergänzt sich durch Emotionalität, wenn mir etwas vordergründig
erscheint, muss es Hintergründiges geben. Erst die Einheit der
Verschiedenartigkeiten bildet das Ganze, das in seiner
Vielschichtigkeit jedoch immer nur partiell erkennbar ist: Gegen die
schablonierte Schrift stellt sich die skripturale Geste; immer der
gleiche Computerdruck wird in einer Serie von Arbeiten überlagert von
individuellen Zeichen; Bild und Abbild korrespondieren mit der Ritzung
im Acrylglas und den Reflexen auf der Wand, werden erst evoziert durch
das Licht, sind abhängig vom Standpunkt des Betrachters, verändern sich
mit der Beleuchtung.
Indem
ich das Gesehene benenne, öffnet es sich dem intellektuellen Zugriff.
Vage Erfahrung wird präsent. Erscheinung wird direkt ablesbar. Etwas
erscheint nicht nur als Vorder- und Hintergrund, sondern ist
gleichzeitig auch vorder- und hintergründig gemeint. Eine Form sieht
nicht nur ausradiert oder beschädigt, klar umrissen oder frei aus - sie
ist auch so zu verstehen. Gleiches gilt für die verwendeten Medien: der
Computerdruck ist nicht nur zeitgemäßes Medium, er repräsentiert auch
meine Zeit – indem markante Eigenschaften ablesbar werden, inhaltliche
und formale, subjektive und soziale, Eigenschaften der Beschaffenheit
und des Ausdrucks, der Denkart und der Mentalität. Indem ich genau
hinsehe und kläre, was da ist und wie es gemacht wurde, lege ich die
Basis für Verständnis, das ich aus mir heraus dazugebe, aus einem
eigenen Reichtum, gemeinschaftliches Gut nur in Teilen. Indem ich mir
des Prozesses der Wahr-Nehmung bewusst werde, aktiv sehe, mir meiner
selbst gewahr werde, beginne ich, die mich jeden Tag überrollenden
Informationen auf eine neue Art zu nutzen.
Die
Zahl wurde zum Schlüssel: meiner Zeit und meiner Arbeit. Nicht nur,
dass sie für rationales Forschen und Ökonomie schlechthin steht, den
Lebensnerv einer gesamten Epoche repräsentiert. Sie verwaltet
Information schlechthin. In ihr kristallisiert sich der Traum des
Menschen von Allmacht, von der Beherrschung der Naturgesetze, der
Vorherbestimmung von Zukunft. Allerdings als Selbsttäuschung, Trugbild.
Mit Demut knicken wir ein vor den Ergebnissen der Naturwissenschaften,
allen voran der Mathematik. Keine Kritik wird gewagt, es sei denn, sie
kommt aus den eigenen Reihen. Zu komplex und unverständlich sind
immerhin die Erkenntnisse. Und wer möchte schon gern als Unwissender
dastehen. Unsere Erfahrungen mit den Zahlen waren in der Schulzeit
nicht gerade die besten. So sehen wir eingeklemmt und empfangen dankbar
die Segnungen der Technik, fügen uns widerstandslos, wenn wir überall
zu Nummern degenerieren. Doch kaum Einer durchschaut noch die Zwänge
des Alltags und das inzwischen von innen hohl gewordene gültige
Weltbild, das keine Hilfe bietet bei der Bewältigung all des
alltäglichen Frustes und der Unterlegenheitsgefühle. Die Flucht in ein
irrationales Verständnis der Vorbestimmung fällt leichter: Tarot,
Kabbala, Zahlenmystik. Sie versprechen, in der Zahl, wärmende Quellen:
Phantasie, Glaube, Sinngebung. Innere Erfüllung. Und so befreit die
Zahl selbst von dem Korsett, das sie schuf. Auch nur eine Fata Morgana.
Indem ich eines sehe, tritt mir beides entgegen: Die Höhenflüge und die
Ohnmacht menschlichen Denkens und Fühlens.
Auch
wenn uns der eine oder andere Erkenntnisansatz allzu bedeutungsschwer
erscheinen mag, so haben doch auch diese Gehalte der Zahl unsere
Einstellungen zur Welt penetriert. Das fängt an bei Sprüchen wie:
„Aller guten Dinge sind ‘3’.“ und hört nicht unbedingt bei Hotels ohne
Zimmernummer 13 auf. Geboren aus dem Zwang, alles messen und beurteilen
zu müssen, bestimmt sie mit dem Hang des Menschen, Alles erklären zu
wollen und spekulierend aus Analogieschlüssen auch Unerklärbares
abzuleiten, interkulturell im schönen Gleichklang unser Leben, Ratio
und Gefühl, offenkundig und unterschwellig. Dabei gehen Zahl, Metapher
und Allegorie, Inhalt und Erscheinung Hand in Hand, denn gerade aus dem
sehr häufigen Bildcharakter zieht die Bedeutung der Zahl ihre größte
Kraft. Viel-Gestaltet tritt sie uns entgegen, beherrscht uns, bietet
sich als Hilfe an: der Strich auf dem Bierdeckel und der Barcode;
schwungvoll verbreitet sie Optimismus von der Plakatwand, versteckt
dokumentiert sie Resignation in der Zelle; Objektivität einfordernd,
voll Angst gekritzelt - aus und über sich hinaus mitteilend.
Und
damit deutet sich die eigentliche Stärke des Bildes an. Indem es uns in
all seiner und unserer Vielschichtigkeit entgegentritt, lässt sich die
„Bedeutung“ eines visuellen Eindrucks begrifflich weder imitieren, noch
konstruieren, noch festlegen, und das visuelle Geschehen eines Bildes
entsprechend auf offenkundige Bedeutungen nicht reduzieren. Vielmehr
bietet es Raum, das Gesehene mit eigenem Leben zu erfüllen. Hinter dem
offenkundig Gegebenen erscheint mir eine weitere Ebene, die mein Leben
und meine Welt reflektiert, meinem Hang nachgebend vom Erklärbaren zum
Unerklärlichen ständig fortzuschreiten, zu spekulieren, und im
Spekulieren mich selbst zu erfahren in meinen Möglichkeiten und
Begrenzungen. Eine Tiefe zu suchen, die nur in mir zu finden ist. Dem
Sehen zugrunde liegende Gesetze ermöglichen es, neue Bezüge
aufzuzeigen, Sinneinheiten zu bilden, sie plausibel und fassbar werden
zu lassen, bekannte Beziehungsstrukturen in Frage zu stellen. Das Bild
zu verändern, zu erweitern, das Bild als Spiegel gleichzeitig für
beides und von beidem: Welt und Bewusstsein, Reales und Irreales,
Erfahrbares und Unerklärliches - statisch vorgegeben und gleichzeitig
bei jeder Begegnung sich verändernd.
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Arbeitsthesen
Es
ist für mich das wichtigste – und das einzige im wesentlich logisch
nachvollziehbare – Merkmal der Malerei, dass der Mensch in ihr und
durch sie in der Lage ist, sich nicht begrifflich und
Nicht-Begriffliches auszudrücken. Erst durch sie kann er
Voraussetzungen schaffen für ein Begreifen nicht-begrifflicher Inhalte
seiner zeit, indem er seine zeit umgedeutet darstellt, damit Welt
schafft und Fragen aufwirft. Dabei sehe ich micht nicht isoliert, quasi
atomisiert und selbstgenügsam, sondern eingebunden in die Geschichte,
ihre Traditionen, die mir erst meine Bedeutung geben. Als Maler sehe
ich mich aufgerufen, aktuell Fragen weiterzudenken, die existentiell
Menschsein betreffen.
Deshalb
ist die Form für mich nicht künstlerisch „befreiter“ Selbstzweck,
sondern sie tritt in Beziehung zu Inhalten, als deren Träger sie
letztlich für den Betrachter wieder bedeutsam werden kann.
Künstlerische Auseinandersetzung ist demnach bereits im Werden
Auseinandersetzung mit außerkünstlerischen Inhalten, für mich mit
Inhalten, die nicht ursprünglich Form sind, die jedoch als Frage in der
Zeit angelegt sind.
Als
ein wichtiges Merkmal heutiger Auseinandersetzung mit Wirklichkeit sehe
ich die Strukturalisierung und Segmentierung menschlichen Erkennens und
damit Denkens an. Dieses deutete sich bereits früh in der
Spezialisierung der Fachwissenschaften an, die zunehmend ihren
Gegenstand in jeweils eigener Sprache und in eigenen Modellen zu
beschreiben versuchten. Das Objekt löste sich immer stärker, je nach
der betrachtenden Disziplin, in unterschiedliche abstrakte Zeichen auf,
die letztlich das Objekt vertreten, an seine Stelle treten. Diese
werden wiederum in strukturalisierten Zusammenhängen gespeichert. Es
ergeben sich Denkmodelle von Wirklichkeit, die sich – aufgrund ihres
Abstraktionsgrades – in wechselseitigen Bezügen und verändernden
Kontexten umkodieren lassen. Das „Ding“ verbirgt sich nicht nur hinter
seinen Abstraktionen, es wird oft erst in dieser Fiktion virulent – man
erinnere sich an die notwendigen und gebräuchlichen Zeichensysteme. Der
Gegenstand als unverwechselbare, unauflösliche Einheit ist
verschwunden, bestenfalls lebt er noch in den Nischen verschiedener
Theoreme, und natürlich – er lebt, existent neben und vor der ihn
repräsentierenden Fiktion. Der Gegenstand wird von mir also nicht mehr,
unabhängig von seiner Existenz in der Realität, gedacht als
geschlossene Einheit mit nur für ihn typischen Zügen, sondern ich sehe
ihn, repräsentiert durch die Denkmodelle, im Schnittpunkt verschiedener
Theoreme. Da diese sich wiederum als Struktur darstellen, als
Einzelelemente in systematischer Zuordnung, bekommt das Einzelne nach
meiner Auffassung seine Unverwechselbarkeit nicht aufgrund
spezifischer, nur für ihn gültiger Merkmale, sondern durch eine
besondere – innerhalb des Ablaufs von Raum und Zeit allerdings
einmalige – Überlagerung allgemeiner Merkmale, die als Teile größerer,
allgemein gültiger Zusammenhänge gedacht werden können. Immerhin ist
der einzelne Gegenstand auch im Modell nicht als Einzelnes denkbar,
sondern es wird versucht, einzelne Aspekte der Gesamtheit in ihrer
Allgemeingültigkeit zu erfassen und diese darzustellen.
Die
einzelnen Modelle und in ihrer Folge auch die enthaltenen Zeichen sind
zwar auf Wahr-Nehmung hin angelegt, jedoch auf eine, die sich selbst
genügt und die Dingwelt, auf die sie verweist, den Sinnen zu entziehen
versucht. In den Hintergrund tritt dabei allerdings oft, dass nicht nur
mit einer Übersetzung in Zeichen entscheidende Aspekte der Wirklichkeit
ausgeklammert werden, sondern dass die Zeichen selbst und mit ihnen die
auf sie verweisenden Bedeutungen geschichtlichen Wahrnehmungs- und
Wandlungsprozessen unterworfen sind. Somit ist die Wirklichkeit, wie
sie uns in den Zeichen entgegentritt, zwar eine mehrfach gebrochene,
allerdings gleichzeitig die einzig relevante. Das Denken in abstrakten
Zeichen scheint mir somit – auch in der Kunst – das eigentlich
Realistische zu sein, denn es allein vermag jetzt noch der Wirklichkeit
beizukommen, da es sie sowohl repräsentiert als auch sie zu beherrschen
in der Lage ist. Allerdings gebiert die Flut der Zeichen keineswegs
einen höheren Grad an Information über die Dingwelt. Indem diese
weitgehend präformiert und standardisiert sind, repetieren sie
lediglich bereits Ent-Sinn-lichtes insofern, als dass das unmittelbar
die intendierte Aussage Transzendierende, das in-sich-selbst nicht
Fassbare des Zeichens, sein – möglicherweise symbolischer – Wert in
Anbetracht des Strebens nach Objektivität der Wahrnehmung nach
Möglichkeit bereits entzogen wird. Allerdings könnte er es in seiner
Fähigkeit, aus sich die Seinssphäre zu transzendieren, sein, der wieder
auf menschliche Grundbefindlichkeiten zurückverweist, Macht
verdeutlicht und somit Sinn stiftend wirkt. Entsprechend versuche ich
in meiner Arbeit, Verknüpfungssysteme zu erarbeiten, in denen die
verschiedenen Zeichensysteme in ihren Differenten nicht kollidieren,
sondern sich ergänzen zu Welt-Bildern, in deren Ausformung der
Bezüglichkeit der Seinsebenen ich in der Lage bin, nach
Nicht-wahr-Genommenem zu suchen und in der Komplexität der reduzierten
Konstituenten wieder Welt-Bezug sinn-lich zu machen.
Auch
wenn der Gegenstand nicht mehr als isolierbares und festumrissenes
Einzelnes erscheint, sondern in der Mehrschichtigkeit der Überlagerung
unterschiedlicher Strukturen neu zu deuten ist, geht es nicht um eine
Auflösung, Beliebigkeit von Bildordnungen – das entspräche nicht den
Grundzügen menschlichen Denkens und Erkennens. Wenn schon das
Naturobjekt gedeutet und in seinem Wert eingeschätzt wird, ist es für
mich zwingend, dass das Bild als bereits vom Menschen Vorgegebenes
diesem Bedürfnis entgegenkommt. Bereits das Einzelzeichen ist
bedeutungshaft aufgeladen, sei es aus persönlicher Erfahrung oder
tradierter Symbolik, kann demnach als Wahrnehmungs- u./o.
Abbildungsmöglichkeit von Aussagefacetten eines Gegenstandes gedacht
und damit in ihrem Ausdruckswert verdichtet werden. Die Simultaneität
der Verschiedenen Zeichen zielt entsprechend auf eine umfassendere
Zuordnung von zuvor Disparatem oder gar Heterogenem zu einem neuen
Denkbaren. Es zielt damit auf Neu-Deutung von Bekanntem, ist also
gedacht als Hilfestellung zur Welt-Sicht.
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Zum Werk
Kann die Sonne eckig sein?
Arbeitsthesen
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