"r. hanke - ZEICHENHAFT" - Ausstellungseröffnung in der "Galerie M"
Pressemitteilung
Berlin, den 27.06.2006
Die Ausstellung „r. hanke – ZEICHENHAFT“ wird am
Sonntag, 09. Juli um 16.00 Uhr in der „Galerie M“, Marzahner Promenade 13,
eröffnet.
Zahlen und Räume
Reinhard Hanke, der 1951 in Bad
Oeynhausen geboren wurde, studierte Malerei und Zeichnung an der Kunsthochschule
Braunschweig sowie Psychologie und Philosophie an der dortigen Technischen
Universität. Er ist ein Künstler, der in seinen Bildern bewusst philosophische,
naturwissenschaftliche und ästhetische Verbindungen sucht und diese auch
findet.
Ursprünglich zeichnete er in den 70er und 80er Jahren surreal
anmutende Szenen, oft in seriellen Reihungen. Dunkel gehaltene, häufig
figurative Motive voll emotionaler Ausdrucksstärke stehen neben technoiden
Objektwiedergaben. Bereits damals kam es Reinhard Hanke darauf an, hinter die
Oberfläche seine Motive sehen zu wollen.
Seine neueren ausgestellten
Arbeiten stammen aus dem Zeitraum von 1999 bis 2004. Diese meist hellen
Papierarbeiten haben überwiegend die Maße von 70 x 50 cm und 100 x 70 cm. Hanke
setzt in den letzten zwei Jahren bei der Realisierung seiner Werke verstärkt den
Computerdruck ein. Danach werden die Drucke von ihm mit Tempera, Kohle, Graphit
oder anderen Mal- und Zeichenmitteln überarbeitet. Träger seiner
Bildinformationen sind Raster und Zahlen. Diese eher rationalen
Ausgangsbedingungen seiner Arbeiten werden durch das weitere emotionale
Überarbeiten künstlerisch umgeformt.
Raster und Zahlen prägen unsere
heutige gesellschaftliche Ordnung. Diese beiden Komponenten werden von ihm
künstlerisch bearbeitet als eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Der
lebensbestimmende Realismus unseres Zahlensystems vom Ausweis bis zu unseren
Konten und Geheimzahlen, der in ausgedruckter Form an sich eine indifferente,
zugleich aber uns prägende Größe darstellt, wird durch seine Überarbeitungen mit
individuellen Chiffren verändert und damit neu bewertet. Diese Veränderungen, ob
bei Zahlen oder Streifenrastern, lassen den Betrachter über dieses Phänomen
reflektieren. Im Spannungsfeld von schematisierter Reihung und persönlicher
Bewertung sowie Akzentuierung durch sein Eingreifen werden Arbeiten geschaffen,
die den individuellen künstlerischen Ansatz über die beliebige mechanische Folge
gesetzt. Diese Herausarbeitung des künstlerischen Akzents in unserer heutigen
Massengesellschaft ist ein Anliegen von Reinhard Hanke.
Seine Werke haben
keine Titel. Sie sind oft auf Karton aufgebracht und werden durch rechteckiges
oder kreisrundes Acrylglas überlagert. Die Computerdrucke sind durch eine
sparsame verwandte Farbigkeit von Schwarz und Rot gekennzeichnet. Die Reduktion
auf zeichenhafte Elemente sind ein weiteres Merkmal seiner Bilder und
Objekte.
Gerade die in ihrer Strenge aufgebauten Arbeiten bringen je nach
Standort verschiedene Deutungen. Dies ist allein schon durch das
Licht-Schattenspiel bei den räumlichen Reliefwerken gegeben. Dadurch wird
deutlich, dass von ein und demselben Objekt unterschiedliche Wahrnehmungen
ausgehen können. Damit wird die Eindeutigkeit von Objekten in Frage gestellt
beziehungsweise nachgewiesen, dass es verschiedene, sich nicht widersprechende
Aussagen von Wahrheit an einem Objekt geben kann. Dies kann der Betrachter bei
einer Reihe von Arbeiten Reinhard Hankes nachvollziehen.
Alexander von
Knorre
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