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| Mitten ins Zahlenwerk
gegriffen: Reinhard Hanke Foto:
altrofoto.de | Der Mensch ist auf die Zahl gekommen
„ZEICHEN-HAFT“: Arbeiten von Reinhard Hanke in der
Städtischen Galerie Leerer Beutel
Von Gabriele Mayer, MZ REGENSBURG.
Kunst ist: wenn man darüber spricht. Reinhard Hanke, 1951 in Bad
Oeynhausen geboren und am südlichen Zipfel Westfalens lebend, tat
dies bei der Eröffnung seiner großen Ausstellung in der Städtischen
Galerie mit viel Temperament in einem kleinen Vortrag. Immerhin hat
er jahrelang als Lehrer gearbeitet. Am Anfang und im Vordergrund
steht die Zahl bei diesen einprägsamen Arbeiten aus Papier,
Acrylglas und Holz. Die Zahl als tief symbolische Größe und als
ästhetisches Phänomen. Unser Informations- und Datenzeitalter ist
von Zahlen überschwemmt. Der Mensch ist auf die Zahlen gekommen als
abstrakte, mathematische Größen, durch sie wird er demographisch und
biometrisch erfasst, per Zahl rastern die Computer unsere Welt,
Zahlen lenken unsere Wirtschaft und Zahlencodes noch vieles mehr.
Die Zahl ist zum Denk- und Weltmuster geworden. Die Zahl als
arabisches Schriftzeichen verschafft sich einen starken, dekorativen
und überraschend suggestiven Ausdruck auf den Bildern Reinhard
Hankes. Weit jenseits ihrer flächendeckenden Aktualität habe die
Zahl von alters her und in ihrem Ursprung noch einen grundlegenderen
Stellenwert für uns, sagt Hanke: Der Eindruck einer
amorph-chaotischen, einheitlich unübersichtlichen Welt, der der
Mensch sich vor Urzeiten ausgesetzt sah, habe die Eins geschaffen.
Vielleicht so oder anders, an Zahlen jedenfalls haftet ein
greifbarer ins Mythische weisender „Beigeschmack“. Zahlenreihen
begegnen uns auf dem Terminkalender als gepanzerte Zeit, die wir mit
unserem Erleben zu füllen suchen. Wie Geister aus der Flasche
purzeln die Zahlen bei Hanke in die Bilder hinein, groß, mächtig und
dunkel auf der meist weißen Fläche. Oder sie lauern im Hintergrund,
verheißen zackige Struktur und Ordnung und prägenden Maßstab. Das
andere Standbein des philosophierenden Künstlers Hanke ist neben der
Zahl das duale Prinzip, wie er es nennt, das uns immer und überall
umgibt: Der nüchterne Verstand, mit dem Hanke seine Bilder
konstruiert und mit dem wir die Welt modellieren, braucht das
Gefühl, ohne das wir völlig orientierungslos wären. Deshalb gibt es
auf seinen Bildern die dunklen Stellen, die nicht ins Regelwerk
passen, die den ordentlichen Fluss der Wahrnehmung stören, wo die
Ziffern in Fäden und Rinnsalen verlaufen, wo das Papier aufzubrechen
scheint, wo die Struktur diffus und rau wird. Und es gibt bei den
geometrisch verschlungenen Acrylglaskonstruktionen die vielen
Schattenwürfe, die je nach Lichtsituation immer wieder anders
ausfallen. Präzise setzt der Perfektionist Hanke solche Akzente, mal
als hervorbrechende Geste, wie es seinem Temperament entgegenkommt,
mal als wunden Punkt genau an der Stelle, an der man ihn nicht
erwartet, wo er „stört“ und auch ein wenig verstört und perplex
macht. Bis 2. Juli, Di. bis So. 10 bis 16 Uhr
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