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Herner Feuilleton

Mittwoch, 9. März 2005


Gert Fischer (Kurator)
Reinhard Hanke: Zeichen-Haft
Stadtmuseum Siegburg/Kulturforum Rheine im Kloster Bentlage/Emschertalmuseum Herne, Städt. Galerie im Schlosspark Strünkede/Siegerlandmuseum Siegen/Städt. Galerie Regensburg/Galerie M Berlin/Artecentro Lattuada Studio Milano

Von Pitt Herrmann

Arbeiten auf Acrylglas, Holz und Papier von Reinhard Hanke
zeigt die Städt. Galerie im Schlosspark Strünkede unter
dem Titel „Zeichen-Haft“ noch bis zum 10. April.
 SN-Foto: Heinz

Reinhard Hanke, 1951 in Bad Oeynhausen geboren, ist ein Künstler, der Verbindungslinien zwischen Technik und Ästhetik sucht – und diese auch findet. Das unterstreicht die Ausstellung „Zeichen-Haft“, die noch bis zum 10. April in der Städt. Galerie im Schlosspark Strünkede gezeigt wird (Di-Fr und So 10-13, 14-17, Sa nur 14-17 Uhr, Eintritt frei).

Von vom Siegburger Museumsdirektor Gert Fischer kuratierte Ausstellung konzentriert sich auf Werke des Künstlers, der an der Braunschweiger Kunsthochschule sowie an der Technischen Universität studierte, die seit 1999 entstanden sind.

Die zumeist hellen Papierarbeiten haben überwiegend die Maße von 50 mal 70 und 70 mal 100 Zentimetern. Reinhard Hanke setzt in den letzten Jahren verstärkt den Computer ein, um seine Drucke zu produzieren. Diese werden von ihm nachträglich mit Tempera, Kohle, Graphit oder anderen Mal- und Zeichnungsmitteln überarbeitet. Träger seiner Bildinformation sind Raster und Zahlen. Diese eher rationalen Ausgangsbedingungen seiner Werke werden durch das weitere emotionale Überarbeiten künstlerisch geformt.

Der Direktor des Emschertalmuseums Herne, Dr. Alexander von Knorre: „Unsere Gesellschaft ist durch Raster und Zahlen, geprägt. Diese werden von Reinhard Hanke als eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit künstlerisch bearbeitet. Dieser Realismus unseres Zahlensystems, das in ausgedruckter Form vom Ausweis bis zu den Konto-Geheimzahlen eine nahezu indifferente, dabei aber uns auch prägende Größe darstellt, wird durch seine Überarbeitungen mit individuellen Chiffren verändert und damit neu bewertet. Diese Veränderungen, ob bei Zahlen oder Streifenrastern, wecken die Neugier des Betrachters. Im Spannungsfeld von schematisierter Reihung und persönlicher Bewertung sowie Akzentuierung durch das Eingreifen des Künstlers entstehen Arbeiten, die den individuellen künstlerischen Ansatz über die beliebige Masse setzen.“

Hankes Anliegen ist es, unserer Massengesellschaft seine individuellen künstlerischen Akzente entgegenzusetzen. Seine Werke haben keine Titel. Sie sind oft auf Karton aufgebracht und werden durch mattes Plexiglas überlagert. Die Computerdrucke sind durch eine sparsam verwandte Farbigkeit von Schwarz und Rot gekennzeichnet. Die Reduktion auf zeichenhafte Elemente sind ein weiteres Merkmal seiner Bilder und Objekte.

Dr. von Knorre: „Gerade die in ihrer Strenge aufgebauten Arbeiten ermöglichen je nach Standort verschiedene Deutungen. Dies ist allein schon durch das Licht-Schatten-Spiel bei den räumlichen Reliefwerken gegeben. Dadurch wird deutlich, dass von ein und demselben Objekt unterschiedliche Wahrnehmungen ausgehen können. Damit wird die Eindeutigkeit von Objekten infrage gestellt und nachgewiesen, dass es verschiedene, sich nicht widersprechende Aussagen vom Wahrheit an einem Objekt geben kann.“

An der Museumskasse ist nicht nur ein aufwendig und durchgängig farbig gestalteter Katalog für 12 Euro erhältlich, sondern auch eine stark limitierte Sonderedition. Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer des Emschertalmuseums Herne erhalten diese Edition zu einem ermäßigten Preis.

Herner Feuilleton, den 9. März 2005


                                      

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